Generation Riesling
06.10.2008 von Dr. Christina Kohl - Der Riesling ist so modern wie nie zuvor. Genießer über 40 sind jünger und moderner denn je und passen extrem gut zum Riesling. Viele Wege führen zum Riesling. Riesling, der Klassiker, wird modern. „Selbst dort, wo der wichtigsten deutschen Rebsorte lange Zeit die Cremigkeit eines Chardonnay oder die Belanglosigkeit eines Pinot Grigio vorgezogen wurde, ist die Riesling-Renaissance zu spüren “, erklärt Claudia Stern (s. Foto). Wir haben uns bei der Expertin umgehört, was die neue „Generation Riesling“ ausmacht.
Dass Riesling jetzt so beliebt ist, hat viele Ursachen. Man kann sie natürlich mit der besseren Qualität der Weine begründen. „Aber auch mit einer neuen Generation von Weinprofis und -konsumenten. Sie sind es, die den Boom verursacht haben“, erklärt Claudia Stern. Man kocht gerne, genießt im Kreis von Freunden und auf den Reisen. Auch innerhalb Deutschlands geht man selbst gerne auf Entdeckungsreise auf die Weingüter. Die Trendrestaurants haben sich längst alle auf die deutschen Spitzenwinzer eingestellt, denn die Weine sind köstliche Begleiter und die Winzer verlässliche Qualitätslieferanten.
Eine Rieslingkultur, die ihresgleichen sucht
Man trinkt gerne deutsch und interessiert sich für authentische Produkte aus den Regionen. Die renommierten Weingüter heißen Breuer, Dönnhoff, Philippi, Prüm und Egon Müller, Robert Weil oder Bassermann-Jordan. Junge Winzer wie Eva Clüsserath, Tim Fröhlich, Roman Niewodniczanski, Markus Schneider, Jochen Dreissigacker, Philipp Wittmann und Alexander Laible allerdings sind deren enthusiastische Erben. Sie sind die neue Generation unter den Top-Winzern. Den jungen Produzenten ist der Wein persönliche Befriedigung, kulturhistorische Verpflichtung und Überlebensstrategie. Die Diskussion der Generationen hat eines geschafft: eine noch größere Qualitätsbreite und eine Rieslingkultur, die ihresgleichen sucht.
Unikate mit charakterstarkem Terroir
Der Riesling bringt in unserem eher kühlen Klima eine Charakteristik hervor, die nirgends auf der Welt kopiert werden kann. Auch deshalb stehen rund zwei Drittel aller Riesling-Reben weltweit in Deutschland. Den Machern des Rieslings kommt es jetzt darauf an, die Herkunft genau herauszuarbeiten. Schließlich transportiert diese Sorte wie keine andere das Terroir, dem sie entstammt. Jeder gut gemachte Riesling ist ein Unikat, Charakterstück und Heimatwein. Die Gourmets und Gerntrinker scheinen der fetten, alkohollastigen Weine überdrüssig zu werden, und das kommt dem Riesling natürlich gelegen.
Bezaubernde Fruchtigkeit
Der Riesling ist so animierend und so vielseitig einsetzbar wie kein anderer Wein. Er ist ein Klassiker, der immer schmecken wird. Weinkennerin Stern fügt hinzu: „Vorausgesetzt, er ist mit Leidenschaft und handwerklicher Sorgfalt erzeugt worden.“ Der Riesling erfordert intensivste und personalaufwändige Weinbergsarbeiten, um den Charakter einer Lage in die Flasche zu bringen. Das oberste Ziel ist es, die Erträge möglichst klein zu halten, damit hochreife, aromenintensive Beeren wachsen können. Alles andere ist dem untergeordnet. Die fortwährenden Boden- und Laubarbeiten, das Ausdünnen der Triebe, die späte Lese, die schonende Behandlung der Trauben sowie der Verzicht auf sämtliche kellertechnische Tricks.
Die neuen Winzer schätzen die Weinbereitungsmethoden ihrer Urgroßväter. Sie bevorzugen das große Holzfass wie die Spontanvergärung und spötteln über Reinzuchthefen, Kaltvergärung oder Primärfruchtschreier. "Kontrolliertes Nichtstun" ist ihr Motto, nachdem im Weinberg alle Arbeiten verrichtet sind und sich im Keller der Rest von selbst erledigt, erläutert Claudia Stern schmunzelnd.
Die neue Generation der Riesling-Trinker ist offen für alles, was gut schmeckt. Die bezaubernde Fruchtigkeit ist es, die gepaart mit Rasse und Finesse großes Trinkvergnügen bietet. Zum Riesling führen viele Wege. Aber keiner führt mehr an ihm vorbei.
Weitere Informationen auf der Homepage der Vintage Genuss Schule unter www.weinseminare.de.

